Objekte

 

 

Kunst entlang der Schachhauser Herrstraße

Straßenkunst ist stets eine Auseinander- setzung mit einer unkalkulierbaren Öffent- lichkeit, ist Arbeit in einem äußerst sensiblen Bereich ästhetischer Wahrnehmung. Straßenkunst ist aber auch ein Angebot der Künstlerinnen und Künstler an die Menschen, die diese Straße benutzen. Die gegenwärtige Kunst kommt zum Publikum. Die Straße trennt, die Kunst verbindet.

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Unerwartet steht auf einem kleinen freien Platz an der Heerstraße Ursula Barwitzkis Holzobjekt »Begegnung« — zwei Treppen, mit den Maßen 250 x 200 x 80 cm, gegeneinander gerichtet, halb Pyramiden, halb Siegespodeste—bei einer Heerstraße ist einer immer der Sieger, bei den Mini-Schumis auf der Straße wird das Monument mit seiner roten Lackfarbe leicht auch zum Grabstein des Siegers. Rot erweckt Aufmerksamkeit, der grüne Rasen kontrastiert—im Herbst der Bäume ist dieser Kontrast auffällig. Rot gehört zu den Farben, die die Künstlerin am häufigsten verwendet — Liebe und Gefahr in einem Ton. Das Objekt ist eine gespaltene Einheit — ein Ort der Begegnung mit den Schwierigkeiten ungleicher Stufen und der Überwindung der Kluft zwischen beiden Teilen.

Die Zerrissenheit dieses Symbolobjekts erscheint jedoch überwindbar. Kunst und Umwelt als Einheit im Farbkontrast, Kunst als Zeichen, wiederum nicht als Rätsel, sondern als plausible Darstellung von Sachverhalten, das ist Ursula Barwitzkis Beitrag.

Jürgen Weichardt