Objekte

 

 
 

 

Ausgerechnet Rosa. Ausgerechnet diese klischeeverklebte Farbe. Rosa, das so zwiespältige Gefühle auslöst, angesiedelt irgendwo zwischen baby-niedlich und schrill, zwischen süß und kitschig, zwischen frisch verliebt und aggressiv. Rosa also war die Farbe, der sich die Malerin Ursula Barwitzki 1994 verschrieb. Von einem Tag auf den anderen und in radikaler Ausschließlichkeit. Damals brauchte sie die Freundlichkeit der Farbe Rosa, hoffte, mit ihr den Schrecken und die Düsternis des Weltgeschehens und der Kriege bannen zu können, die ihr aus den Medien entgegen schrieen. Um es vorweg zu nehmen: Ursula Barwitzki hat mit Rosa die Albträume der Realität nicht einfach zugetüncht. Kitschig oder auch nur oberflächlich romantisch wurden ihre Arbeiten nicht. Im Gegenteil. Selten ist Rosa so ironisch, so hintergründig, aber auch augenzwinkernd humorvoll eingesetzt worden. In rosa Bildtäfelchen, von denen sie ein Jahr lang täglich eines malte. In skurril-kritischen Objekten: Ein rosa Stuhl, gespickt mit Rosa Kissen, ordentlich mit Handkantenknick aufgestellt. Sie scheinen zum lustvollen Kuscheln einzuladen, bestehen aber aus hartem Gips und werden so zum Symbol für die, so Barwitzki, „Zwanghaftigkeit bestimmter Handlungen und das Unvermögen, etwas anders zu machen." Hintersinnig wie das ganze Projekt, das die unerwartete Abgründigkeit der Farbe Rosa entlarvt, ist denn auch sein Titel: „Rosa Zeiten".

Beate Naß